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Faserkunde
 

Aus welchen Fasern werden Stoffe hergestellt?


Stoffe werden durch unterschiedliche Techniken aus Garnen hergestellt, die ganz wesentlich die Eigenschaften des Endprodukts bestimmen.

Garn entsteht durch Spinnen, Zwirnen und weitere Prozesse aus Fasern, wobei die Eigenschaften des Garns wesentlich durch die Eigenschaften der Fasern bzw. der Fasermischungen bestimmt werden.
Es gibt sehr viele verschiedene Fasern. Hier ist eine kleine Übersicht.

Wichtige Naturfasern aus Pflanzen sind Baumwolle und Flachs bzw. Leinen.

Naturfasern von Tieren sind beispielsweise Wolle von verschiedenen Schafrassen, Edelhaare (-wolle) wie z.B. von der Cashmere-Ziege oder Seide.

Technofasern entstehen auf äußerst vielfältige Weise aus pflanzlichen Polymeren (z.B. Kautschuk oder Zellulose) und aus synthetisierten Polymeren (z.B. Polyamid,...).
 

Tierische Fasern

bestehen aus Eiweißfasern und sind den Grundstoffen dem menschlichen Haar und Haut in Substanz und Eigenschaften ähnlich.

Alpaka
ist die seidige Flaumwolle der Alpakas, die volkstümlich auch Lamas genannt werden.
Die kleinen horn- und höckerlosen Schafkamele leben auf dem Hochland Südamerikas. Sie werden alle zwei Jahre geschoren und ihre Wolle ist federleicht und hat einen sanften Glanz.
Da sie noch heute vielfach in Handarbeit verarbeitet wird, bleibt ihr hoher Fettgehalt erhalten. Dies macht die Wolle besonders wertvoll. Sie wärmt gut und ist schmutzabweisend. Alpaka gibt es in über 20 Naturfarbtönen.

Angora
ist die kuschelige Wolle der Angoraziege im Mittelalter und des Angorakaninchens. Die Angorawolle wird durch Auskämmen und gelegentliches Scheren gewonnen.
Die Haare sind weich, seidig glänzend, sehr fein und die leichteste Naturfaser überhaupt. Die Wolle der Angoraziege kennen wir als Mohair. Auch Bezeichnung für Wolle aus dem Haar des Angorakaninchens, die mit Schafwolle oder Chemiefasern zu Strickgarn versponnen wird.
Garne und Stoffe aus Angora sind besonders lufthaltig und besitzen daher ein hohes Wärmerückhaltevermögen, das bei rheumatischen Erkrankungen lindernd wirkt.
Angora-Kaninchens: seit 1723 bekannte Zuchtrasse langhaariger, bis 4,5kg schwerer Kaninchen; Angora-Kaninchen liefern 700-800g Angorahaare pro Jahr, die zu Angorawolle versponnen werden.
Angora-Ziege: langhaarige, in Vorderasien gezüchtete Rasse kleiner (bis 65cm schulterhoher) Hausziegen; die weiß, schwarz, gelb oder grau gezüchtet Angoraziege liefert bis zu 6kg Angorahaare pro Jahr, die zu Mohair verarbeitet werden.

Cashmere
Das edle Material aus dem Brustflaum der Hochgebirgsziegen, die auf den Bergmassiven der Mongolei, Chinas, Persiens und Afghanistans in Höhen bis zu 5000m leben. Das flaumweiche und dichte Unterhaar wird nicht durch Schur gewonnen, sondern vorsichtig ausgekämmt und gezupft. Dann wird es von Hand aussortiert, gewaschen und von Unreinheiten befreit.
Höchstens 100 Gramm pro Tier werden so jährlich ‘geerntet’. Etwa 500 bis 600 g braucht man allein für einen Pullover.

Kamelhaar
Die Faser von zweihöckrigen Kamelen aus den Hochebenen Westchinas, Tibets und der äußeren Mongolei. Jährlich werden den Tieren rund fünf Kilogramm Wolle aus dem Fell gekämmt. Kamelhaar wirkt klimatisierend und besitzt ein großes Wärmerückhaltevermögen.

Vinkunja
ist die kleinste Kamelart (sehr scheu) in den Anden Perus, Boliviens, Argentiniens und Chiles, zwischen etwa 3500 und knapp 6000m Höhe, Länge 125-190cm, Schulterhöhre 70-110cm. Vinkunjas haben dichtes, oberseits bräunlichgelbes bis braunes, unterseits weißliches Fell.
Es liefert kostbare, feine und leichte Wolle; wurde von den Inkas in Farmen gehalten und geschoren, später jedoch von den Europäern zur Wollgewinnung rücksichtslos bejagt. Heute wird der Fortbestand in Reservaten gesichert.
Aufgrund der Scheu dieser Tiere gelingt es nur äußerst selten, Vikunjas lebend in Gefangenschaft zu halten. Die meisten sterben vorher an Streß. Vikunja ist allerdings einer der teuersten Faserstoffe der Welt. Aus diesem Grund werden viele Vikunjas leider bei der Jagd auf ihre Haare noch heute getötet.

Schafwolle
zählt zu den ältesten Spinnmaterialien der Welt und Wollstoff ist die älteste Stoffart überhaupt. Die Oberfläche der Wollfaser wird von dachziegelartigen Schuppen gebildet, die von einem hauchdünnen Häutchen überzogen sind. Dieses Häutchen macht die Wolle zu einer der glattesten Spinnfasern.
Das Innere des Haares besteht aus zwei verschiedenen Arten von Zellen.
Diese leicht verzwirnten Hälften verhalten sich Feuchtigkeit gegenüber unterschiedlich, denn die eine Zellart quillt stärker als die andere und da beide fest miteinander verbunden sind, sind sie ständig in Bewegung. Diese Besonderheit verleiht der Wolle zum einen ihre Elastizität, zum anderen einen natürlichen Selbstreinigungseffekt. Die feinen Schüppchen an der Faseroberfläche massieren sanft die Haut und regen die Durchblutung an.
Wolle ist temperaturausgleichend und besonders atmungsaktiv. Sie kann mehr als ein Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen und kühlt auch im feuchten Zustand nicht aus.

Seide
wird aus den Kokons gewonnen, in die sich die Seidenraupen einspinnen, bevor sie zum Schmetterling werden.
Nach Art der Gewinnung unterscheidet man zwischen Maulbeerseide, die von Zuchtraupen gewonnen wird, die sich von den Blättern des Maulbeerbaums ernähren und Wildseide (Tussahseide) für deren Gewinnung die Kokons bereits geschlüpfter Schmetterlinge verwendet werden.
Wildseide ist oft etwas unregelmäßiger und hat kleine Noppen, daher eine geringere Qualität.
Maulbeerseide wird abgehaspelt. Das heißt, vom Kokon abgespult.
Voraussetzung für das Abhaspeln ist, das die noch lebenden Larven in den Kokons vorher durch heißes Wasser oder Wasserdampf abgetötet werden. Sind die Schmetterlinge schon geschlüpft, hat der Kokon ein Loch und der Seidenfaden ist unterbrochen, kann somit nicht abgehaspelt werden. Diese Kokons werden ausgekämmt, was meist die Unregelmäßigkeiten der Wildseide ausmacht.

Ein Seidenfaden hat eine Länge von bis zu 3000 m, davon sind aber nur 1200 m verwendbar.
Ursprungsland der Seide ist China. Schon 3000 v.Chr. wurden in China Seidenstoffe gewebt - allerdings waren sie nur für Adelige bestimmt. Schmugglern gelang es erst 550 n.Chr. die Eier von Seidenraupen nach Europa zu bringen.
Charakteristisch für die Seidenfaser sind die für Naturfasern hohe Festigkeit, das gute Isolationsvermögen sowie Feinheit, Geschmeidigkeit und Knittterarmut.
Kleidung aus Seide wärmt im Winter und kühlt im Sommer, kann ähnlich wie Schurwolle ca. 30% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Allerdings ist Seide schweißempfindlich.

Schappe- oder Florettseide wird ebenfalls aus dem geschlossenen Kokon gewonnen. Bei der Produktion der Maulbeerseide ist nur ein gewisser Mittelteil des Kokons abhaspelbar. Bei der Schappeseide werden die Teile des Kokons genutzt, die nicht mehr abhaspelbar sind. Das Verfahren ähnelt dem Kammgarnspinnverfahren. Die Abfallprodukte der Schappeseide werden zur Bouretteseide.
Beim Kämmen der Schappeseide fallen Abfallprodukte an, sogenannte Kämmlinge. Diese werden durch das Grobspinnverfahren zur Bourettseide verarbeitet. Bourettseide ist unregelmäßig, stumpfer, fülliger und hat mehr Noppen als reguläre Seide.

Dann gibt es noch die Ecrú-Seide. Diese wird mit künstlich gehärtetem Bast versetzt und ist härter als normale Seide. Sie glänzt auch nicht, ist weniger weich, weißt aber eine höhere Festigkeit auf.

Die Anaphe-Seide ist eine Seide aus Afrika, die im Schappeseidenverfahren hergestellt wird. Diese Seide wird meist nur als Effektgarn in Maulbeer- oder Tussahseide verwandt.

Muschelseide
ist sehr selten und äußerst teuer.
Die golden glänzende Muschelseide ist wohl der kostbarste textile Werkstoff - und trotzdem nahezu unbekannt.
Seit der Antike wurde sie zu edlen Textilien verarbeitet, die im weltlichen und kirchlichen Adel hoch begehrt waren. Nur wenige Objekte aus Muschelseide haben die Zeiten überlebt - das älteste stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Muschelseide ist ein Produkt der Edlen Steckmuschel, Pinna nobilis. Sie kann über einen Meter gross werden und ist damit die weitaus grösste Muschel des Mittelmeers. Mit ihrem Faserbart verankert sie sich nahe der Küsten im Meeresboden.
Diese feinen, aber sehr widerstandsfähigen Fäden sind der Rohstoff, aus dem die Muschelseide hergestellt wurde.
Heute ist die Steckmuschel geschützt, das Handwerk nahezu ausgestorben.

Roßhaar
Haare von Körper, Schweif und Mähne des Pferdes werden vor allem für Heimtextilien verarbeitet. Ihre bekannten Vorzüge: Enorm hohe Lebensdauer und hohe Aufnahme von Feuchtigkeit. Nicht immer ist Roßhaar auch wirklich vom Pferd. Manche Roßhaar-Stoffe oder -Füllungen sind mit Kuhhaar versetzt.
 

Pflanzliche Fasern

bestehen aus Zellulose. Ein Naturstoff dessen Verarbeitung durch die Aufbereitung der Zellulose aufwendig ist.

Baumwolle
ist das Samenhaar des zur Malvengattung gehörenden Gossypium-Strauches. Sie besteht zu 90% aus Zellulose.
Baumwolle gedeiht in Ländern mit subtropischem Klima (z.B. USA, Ägypten, Indien, Südafrika) und ist mengenmäßig der bedeutendste und billigste textile Rohstoff. Die Samenfasern des tropischen Baumwoll-Strauches sind schon lange vor unserer Zeitrechnung Grundlage für kostbare Gewebe: Im babylonischen Reich hießen sie "Weißes Gold".
Die erste Kunde von indischer Baumwolle gibt um 450 vor unserer Zeit der griechische Geschichtsschreiber Herodot. Durch die Araber verbreitet sich die Pflanze auch in Europa, insbesondere in Spanien und Italien.
Das Lauchheim Grab 974 (ca. 500 nach Chr.) enthielt einen der frühesten Nachweise für Baumwolle in Europa.
Weitere europäische Baumwoll-Funde, stammen nach Inga Hägg aus vereinzelten Gräbern in Birka in Schweden (ca. 9./10. Jahrhundert), die wohl mit Fernhändlern in den hohen Norden geraten sind.
Zahlreiche mittelalterliche Bezeichnungen stammen aus der Antike, z. B. bombacium, cotum, gossypium, lana xylina.
Im 12. Jahrhundert (Kreuzzüge) steigt der Import von roher und gesponnener Baumwolle rasch an. Die mittelalterlichen Baumwoll-Stoffe sind durchweg Mischgewebe, teils mit Seide oder Wolle, teils mit Leinen.
In Mitteleuropa beginnt der Baumwollanbau Anfang des 13. Jahrhunderts in Spanien und Italien.
Schon seit dem 12. Jahrhundert wird sie auch in Deutschland verarbeitet.
Ab dem 14. Jahrhundert ist Barchent (Baumwoll-Leinen-Mischgewebe) allgemein verbreitet.
In Süddeutschland und Flandern entsteht eine große Barchentproduktion. In dieser Zeit entsteht auch der Begriff Aketon für wattierte Rüstungen und auch wattierte Kleidung (speziell im franösischen), der sich aus Al´qtun - arabisch für Baumwolle - herleitet.
Einer der ersten,  erhaltenen Gambesons ist der Pourpoint von Karl dem Kühnen (Ende des 14. Jahrhunderts), der auch eine Füllung aus Baumwolle hat.
Barchent wurde spätestens im 15. Jahrhundert zur preiswerten Alternative zu Leinenstoffen.

Die Hochzeit der Baumwollindustrie begann in England Ende des 18.Jahrhunderts mit der Erfindung der Spinnmaschine.
Baumwolle bietet vorteilhafte Eigenschaften wie Weichheit (sie kratzt nicht auf der Haut), Reißfestigkeit, Strapazierfähigkeit, Hautfreundlichkeit, hohe Feuchtigkeitsaufnahme, Widerstandsfähigkeit gegen Hitze und Pflegeleichtigkeit.
Die sogenannten Tagesringe der Baumwolle - vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumes - können in ihren Zwischenräumen ausgezeichnet Wasser speichern, und dabei auch Schweißbestandteile wie Salze, Säuren und Fette mit aufnehmen, ohne daß die die Faser geschädigt wird. Bei der Wäsche wird alles wieder hygienisch herausgespült.
Die Güte der Baumwolle hängt vor allem von der Stapellänge, der Feinheit und der Stapelgleichmäßigkeit ab.

Leinen
ist "eine aus der Flachspflanze gewonnen Bastfaser, die aus vielen durch Pflanzenleim (Pektin)zusammengeklebten Elementarfasern besteht." Im allgemeinen versteht man unter Leinen Gewebe aus Flachsfasergarnen.
Leinen gehört zu den ältesten Naturfasern, die schon ca. 4000 v.Ch. genutzt wurden. Die Ägypter gebrauchten Leinen für die Präparation ihrer Mumien.
Die Blütephase hatte Leinen im Mittelalter erreicht.
In nur 100 Tagen wächst und reift der Flachs vom winzigen Samenkorn zur 100 cm großen Pflanze, deren Stengelfasern bereits die Vorzüge des klassischen Leinengewebes aufweisen: überaus fest und widerstandsfähig.
Leinen ist feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig und als einzige Faser von Natur aus antistatisch.
Leinen ist weitgehend geruchsneutral. Zudem ist Leinen sehr saugfähig, was die Klimaregelung des Körpers bei heißen Temperaturen unterstützt wodurch es bei Hitze angenehm kühl auf der Haut ist.

Da Flachs so robust ist, dass er nicht mit Pestiziden behandelt werden muss, ist das Leinen in der Regel nicht belastet.
Begriffe aus der ländlichen Leinenverarbeitung haben sich noch heute in unserer Umgangssprache erhalten (etwas durchhecheln, sich die Haare raufen, herumflachsen oder sich verhaspeln).

Hanf
hat eine Geschichte, die weit zurück reicht. Es gibt Angaben über den Anbau von Hanf in China, die bis in das 3. Jahrhundert vor Chr. zurückreichen. In Indien gibt es wahrscheinlich schon Hanfanbau seit dem 9. Jahrhundert v.Chr. und in Europa liegen Daten vor, daß Hanfanbau seit dem 1. Jahrhundert v.Chr. betrieben wird.
Faserhanf stammt aus Asien und wird heute in Asien, Europa, Nord-Afrika, Nord-Amerika, Chile und Australien angebaut. Je nachdem wie der ausgesäht wird (Pflanzenabstand) wird Hanf entweder 3m hoch und großfaserig (Riesenhanf, Schließhanf, Seilerhanf) oder bei dichter Aussaat niedrig und feinfaserig (Spinnhanf). Verwendung findet Hanf bei Segeltuch, Netzen und bei Seilen.

Ramie
gehört zur Gattung Boehmeria und ist eine Bastfaser die aus dem Stengel gewonnen wird.
Wichtig bei Ramie ist die sehr gute mechanische Festigkeit und hohe Fäulnisbeständigkeit. Weitere Eigenschaften sind gute Anfärbbarkeit, hohe Lichtbeständigkeit und eine gute Saugfähigkeit.
Ramie wird u.a bei Nähzwirnen, Fallschirmstoffen, Schlauchgeweben, Haus- & Tischwäsche, Riemen und Bändern verwendet. Ramie wird u.a. im fernen Osten (auch als Leinen des fernen Ostens bezeichnet), in Rußland und den USA angebaut.
 

Sonstiges

Viskose
ist eine Chemiefaser aus natürlichen Polymeren mit der Grundsubstanz Zellulose.
Bei der Herstellung von Viskose werden Zellstoffplatten aus Zellulose zerkleinert und danach mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff behandelt und somit verflüssigt. Diese zähflüssige Spinnmasse wird mit Hilfe des Naßspinnverfahrens ausgesponnen. Dabei wird die gelöste Spinnmasse in einem Chemikalienbad zu Fasern ausgesponnen.
Viskosefasern besitzen gute Färbbarkeit, große Wasseraufnahmefähigkeit bei einer sehr geringen Festigkeit und vor allem einer äußerst geringen Naßfestigkeit. Aufgrund der lockeren inneren Struktur der Viskosefasern, quellen die Fasern bei Einwirkung von Feuchtigkeit stark auf. Viskosefasern werden gerne in Mischungen mit Baumwolle, Wolle, Leinen oder Chemiefasern verwendet.


Es gibt noch einiges mehr, aber dies sind die wichtigsten und bekanntesten.
Wenn denn mal Zeit sein sollte, führe ich das hier weiter aus....wenn.....