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Naturfarben
 

Die Farben aus der Natur

Persönlich bin ich ja nicht begeistert, wenn jemand Stoffe verkauft, die "so aussehen als seien Sie mit... gefärbt".
Meist sind das Leute, die nicht wissen, dass ein rot nicht mit Krappwurzel gefärbt sein muss.
Und wenn Krapprot, welches Krapprot?

Man muss vornweg schicken, dass viele Pflanzen unterschiedliche Farben machen. Durch langjährige Erfahrung bei Färbeseminaren, Aufträgen und Vorführungen stelle ich immer wieder fest, dass die meisten Menschen davon ausgehen, jede Pflanze färbt nur eine Farbe.
Bleiben wir bei unserem Beispiel, dem Krapp.
Er kann von hellem orange bis hin zu tiefem Weinrot färben. Wichtig sind dabei viele Faktoren.
Ganz wichtig ist die Herkunft. Welche Mineralien und wieviel Sonne hat die Pflanze bekommen?
Das bestimmt die Farbe der er abgibt schon mal zum Teil.
Dann die Färbung selbst. Welches Material ist mein Kessel, wie heiß und wir hart ist mein Wasser, wie lange färbe ich, wie habe ich gebeizt? Wann wurde sie geerntet und wie wurde sie weiterbehandelt?

Wer selbst färben will, sollte als erstes eines nicht haben - Angst etwas falsch zu machen.
Wenn man sich an die Grundregeln hält, kommt eigentlich immer irgendeine Farbe raus und fast immer ist sie auch schön.
Ja, die Frau hat leicht reden, tut sie es doch fast täglich - aber wir haben alle mal angefangen.

Etwas das man schriftlich nur sehr schwer vermitteln kann ist die Erfahrung.
Hier hilft es sehr, sich über die Schulter schauen zu lassen.
Und letzendlich muss jeder seine Erfahrungen selbst machen, man kann nur anleiten.
 


1. Stoff: Wollstoff,gefärbt mir Krapp und Eisen
2. Stoff: Wollstoff, gefärbt mit Indigo, 1. Zug
3. Stoff: Seide, gefärbt mit Saflor (Heißfärbung)
4. + 8. Stoff: Wollstoff, gefärbt mit Krapp
5. Stoff: Wollstoff, gefärbt mir Reseda und Eisen
6. Stoff: Wollstoff, gefärbt mit Tagetes
7. Stoff: Wollstoff, gefärbt mit Indigo, 2. Zug
9. Stoff: Wollstoff, gefärbt mit Walnußschalen



Vorweg muss man sagen, dass man beim Färben mit Naturfarbstoffen nicht immer exakt den gleichen Farbton erzielen kann. Wenn man Glück hat, gelingt es. Da der Stoff (gerade Wolle) nicht immer exakt die gleiche Qualität hat, die Färbepflanze je nach Anbau und Lagerung unterschiedlich viel Färbestoff trägt, kann das Ergebnis variieren.
Es hilft, sich beim Färben immer aufzuschreiben, woher Stoff und Farbe sind, wieviel was man genommen hat, welche Beize usw. So erreiche ich meist ein gleiches Farbbild.
Durch Verändern des Färbebades durch z.B. Zugabe von Eisen, Galläpfel oder anderem kann man den Farbton variieren. Ebenso spielt es eine Rolle, ob die Pflanze frisch oder getrocknet ist. Es spielen eine Vielzahl Variablen mit und auch der Farbstoff den man zu kaufen bekommt ist meist von unterschiedlicher Qualität. Die Vorbehandlung des Stoffes spielt auch eine große Rolle. Nicht bei jeder Färbepflanze muss vorgebeizt werden und welche Beize man nimmt ist auch ausschlaggebend.
Generell kann man sagen, man kann eigentlich nichts falsch machen. Es kommt immer eine Farbe raus, ob es die gewünschte ist, ist eine andere Sache. Nicht zu hastig arbeiten, färben dauert seine Zeit.
Die Beize darf gerne eine Woche dauern, das Ergebnis ist langlebiger und gleichmäßiger. Direktbeizen oder Beizen und sofortiges Färben bringt nur teilweise Erfolg und bei nicht lichtechten Farben auch keine dauerhafte Freude an der Farbe.

Hier sind mal einige der Pflanzen aufgeführt, mit denen man färben kann (nur eine kleine Übersicht):

Rot: Krapp und Blutwurz als Einheimische und Cochenille, Kermeslaus, Steinsame und Rotholz als Import. Saflor-Blätter färben auch rot (Kaltfärbung), hat aber hohe Ernteaufwendung und sehr geringe Lichtechtheit, Akazienblätter (Rotbraun), Brasilholz, Espenrinde (Zitterpappel), verschiedene Flechten z.B. Haarflechte, Kermesbeere, Labkraut, Malvenblüten, Alkanna (Ochsenzunge), Sandelholz, Schachtelhalm.

Orange: Zwiebelschalen, Tagetesblüten, Anatto (Orleanstrauch), Schöllkraut, Steinschlüsselflechte, Pflaumenrinde, Querziton, Rainfarn, Sandelholz, Sonnenblumen, Sumpfdotterblumen, Maiglöckchen, Johanniskraut (Kupferbeize), Färberkamille (Kupferbeize), Kurkuma, Henna, Butternuss, Apfelbaumrinde

Blau: Waid (Indigogehalt ca. 0,3 %) als Einheimisches und Indigofera Tinctoria (Indigogehalt ca. 3-5 %, s. Bild) als Import.
In Japan wurde meist mit Färberknöterich (Indigogehalt ca. 3-5 %) gefärbt. Färberknöterich wird mittlerweile auch hier kultiviert, während Indigofera Tinctoria (der Indigostrauch) ein anderes Klima benötigt. Blauholz ist ebenfalls eine tiefe, dunkle Färbung, die bis ins Violett gehen kann.
Man kann auch mit blauen Beeren färben, diese ergeben jedoch keine lichtechte Farbe, sowie das Blauholz auch. Blau macht auch die Blaubeere, Faulbaumbeere, Krähenbeere, Schwarzdorn (Schlehenbeere) und Weißbuchenrinde.

Grün: Ein dunkles Waldgrün oder Flaschengrün wie wir es heute kennen war nur durch Überfärbung herzustellen, das heißt eine Kombination aus Gelb- und Blaufärbung. Daher war ein leuchtendes Grün recht teuer. Helle oder oliv Grüntöne bekommt man mit einer Geldbfärbung und einer Nachbehandlung mit Eisen. Oder Olivenblätter ohne Nachbehandlung.
 
Gelb: Reseda (Färberwau, s. Bild), Birkenblätter, Saflor (Färberdistel), Heidekraut, Rainfarn, Färberhundskamille, Goldrute, Wiesenflockenblume, Tagetes, Färberscharte, Gelbkraut als Einheimische und Gelbholz und Safran als Import.
Safran gibt einen wunderschönen Goldgelbton, den man im Mittelalter in einfachen Kreisen mit der Färberdistel versuchte nachzumachen.
Man kann auch mit Zwiebelschalen gelb färben, aber auch orange und braun.
Die meisten Pflanzen machen gelb. So auch Gras. Nach dem Rasen mähen den Grasfangkorb in den Kessel schütten und verfärben. Praktische Lösung aber leider auch nicht lichtecht.

Schwarz: Eichenrinde oder Schwarzerle und Eisenspäne, Galläpfel, später auch doppelte Färbung von Rotholz und Blauholz. Walnusschalen und Indigo werden auch schwarz, Pflaumenrinde mit Eisen ist auch eine gute Variante hat aber einen leichten Stich ins Dunkelbraune.

Braun: Walnuss, Ampfer, Apfelrinde, Astflechte, Blutwurz, Akazienharz und -rinde, Eichenlaub, Dost, Schöllkraut und Frauenmantel als Einheimische und Catechu, Rotsandelholz und Henna als Import.Mit Rinde eigentlich generell erreicht man leicht einen Braunton.
 
Purpur: Durch die Purpurschnecke. Man brauchte ca. 10.000 Schnecken um ein Gramm Purpur herzustellen. Dann einige Gramm zum Färben. Dazu mussten die Schnecken erst alle fermentiert werden um den Farbstoff zu gewinnen. Dies geschah oft an Stränden, wo die toten Schnecken ausgelegt wurden um so leicht anzufaulen.... wäh.... Interessanterweise gibt es Berichte von einigen Landstrichen, die nie von einer Seemacht überfallen wurden. Bei den Gestank kein Wunder. Noch heute findet man am Strand des Südhafens von Sidon im Libanon meterhohe Schalenreste.
Das Gramm kostet heute ca. 2.050,- Euro!!!
Purpur wurde oft durch eine rot überfärbte Indigofärbung nachgemacht.
Die Purpurschnecke wurde vor allem in Westlichen Ländern zum Färben verwendet. In Östlichen Ländern färbte man Purpur auch mit Shikon-Wurzeln. Diese Wurzeln werden in Japan heute wieder für die Pharmaindustrie angebaut.
Es gibt auch die Möglichkeit mit Gelbflechte im Dunkelverfahren - komplett ohne Lichteinfall - Purpur zu färben. Bei Lichteinfall wird es Blau.

Das sind sozusagen die Grundfarben. Man kann auch Violett bekommen durch Beizen und Entwickeln der Cochenille und andere Töne durch die Veränderungen der Techniken beim Färben.