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Textilkunde

Was kann ich aus einer Faser so alles machen

Weben

Hochwebstuhl Eines der ältesten Verfahren zur Herstellung von Textilien ist das Weben.
Gewebe entsteht durch kreuzweise Verflechtung von zwei Fadengruppen. Die Längsfäden heißen Kettfäden (alle Fäden zusammen nennt man Kette). Sie geben dem Gewebe Halt und Festigkeit.
Die Fäden sind meist reißfester, glamer, härter gedreht. Die Gewebe sind in Kettrichtung meist weniger dehnbar.
Die Querfäden heißen Schußfäden. Sie geben dem Gewebe meist Füllung und Griff. Die Fäden sind meist weicher, dicker, lockerer gedreht. Die Gewebe sind in Schußrichtung meist dehnbarer.

Schon in prähistorischer Zeit erkannten die Menschen, dass sich durch Weben ein recht stabiles zweidimensionales Produkt erzeugen lässt. Um kleinflächige Textilien herzustellen, konnte man noch mit relativ primitiven Hilfsmitteln wie Webrahmen, Lendenwebstuhl auskommen. Größere Flächen lassen sich nur mithilfe von Webstühlen herstellen. Die ältesten Webstühle wurden bereits um 6000 vor Christus in der Türkei gefunden (Bild Gewichtswebsuhl Archeopark Schnarl).
 
Die Gewebestruktur wird bestimmt durch die Garnbeschaffenheit und -feinheit, durch die Flächendichte der Fäden und durch die Art der Verflechtung (Bindung). Das Gesamtaussehen eines Gewebes ist durch eine Folge von Mustern gekennzeichnet. Die Anzahl der sich verkreuzenden Fäden pro Muster heißt Rapport. Die Herstellung von Geweben erfolgt mit Webstühlen oder mit Webmaschinen. Die Art der Verflechtung von Kett- und Schußfäden heißt Bindung.

Man unterscheidet drei Grundbindungsarten:

LeinwandbindungLeinwandbindung
jeder Schussfaden kreuzt nur einen Kettfaden - festes Gewebe. Warenseiten sind bindungsgleich.
 
KöperbindungKöperbindung
jeder Schussfaden kreuzt zwei Kettfäden - weiches Gewebe mit Diagonalmuster. Zwei verschiedene Warenseiten.


AtlasbindungAtlasbindung
jeder Schussfaden kreuzt mindestens fünf Kettfäden - weiches, glattes und glänzendes Gewebe. Zwei verschiedene Warenseiten.
 
Einige Beispiele:
Panama ist leinwandbindig. Im Unterschied zur Leinwandbindung werden in einem Fach nicht nur einzelne, sondern zwei oder auch mehrere jeweils parallel verlaufende Kett- und Schussfäden verwebt. Das Gewebe hat ein durch die Webart entstehendes Schachbrett- oder Würfelmuster.
Ripsbindung ist in der Bindungslehre der Weberei eine Ableitung der Leinwandbindung, bei der eine längs- oder querlaufende, gerippte Oberflächenstruktur erzeugt wird.
Beim Kettrips, auch Querrips genannt, wird die Kettdichte, d. h. die Anzahl der Kettfäden pro Zentimeter so stark erhöht, dass die Schussfäden vollkommen darunter verschwinden.
Oxford ist leinwandbindig 1/1 oder 2/2. Typisch sind die verschieden farbigen Kett- und Schußfäden, dabei ist der Schuß oft weiß und gezwirnt.
Popeline ist der klassische Hemdenstoff. Das Gewebe ist leinwandbindig mit sehr dicht liegenden Kettfäden, 1 1/2 bis 3mal dichter als die Schußfäden. Dies ergibt die charakteristischen Querrippen.
Flanell ist eine allgemeine Bezeichnung für einseitig oder beidseitig, gerauhte Gewebe. Meist wird Körperbindung 2/2 verwendet.
Batist ist feiner Hemdenstoff. Das Gewebe ist Leinwandbindung und dicht gewebt.
Jacquard ist auf dem Jacquardwebstuhl hergestelltes, feingewebtes und abwechslungsreiches Gewebe mit aufwändigem Muster.
Fischgrat entsteht durch Richtungswechsel der Körperbindung.

BrettchenwebenBrettchenweben

Bei dieser sehr alten Webtechnik entstehen wunderschöne Bänder in unzähligen Variationen, die man sehr vielfältig einsetzen kann. Doch die Bänder müssen nicht flach sein, wie Borten, sie können auch rund werden ähnlich einem Seil nur mit einen Loch in der Mitte - wenn man das kann, ich verzweifle noch dran :-) Bis vor einigen Jahren konnte man die Brettchenweberei live fast nur auf Kelten- und Römerfesten, Mittelaltermärkten oder Museumsfesten als wiederentdecktes altes Kunsthandwerk beobachten. Mittlerweile hält diese Handarbeit auch wieder Einzug in Haushalte, die sich nicht regelmäßig an Wochenenden in andere “Zeitzonen” versetzen. Diese  Technik jedoch war nie ausgestorben. In Südamerikanischen und Orientalischen Ländern wurde das Brettchenweben als Handwerkstechnik am Leben gehalten.
Hier benötigt man recht viele Brettchen - heute meist mit 4 Löchern - aus Karton, Horn, Bein, Holz, Metal, je nach Fingerfertigkeit und Breite des Bandes. Bei einem breiten Band sollte man von dicken Brettchen absehen, es wird nicht nur schwer sondern auch kaum zu greifen. Es kann jede Art Garn benutzt werden, ob Leinen, Seide, Wolle, Baumwolle oder Technische Fasern, das hängt von Ihnen ab. Wichtig ist, es muss gezwirnt sein. Nur versponnenes, ungezwirntes wird sich schnell aufreiben und ist nicht so haltbar. Der Mustervielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Man kann alle Brettchen gleichzeitig drehen, als verschiedene Pakete, einzeln und diese auch noch umklappen.
 

KammwebenKammweben

Kammweben wird durchgeführt - wie der Name ja auch schon sagt - mit einem Kamm.Der ähnelt tatsächlich einem Kamm, wie man ihn fürs Haarekämmen benutzen kann, ist aber deutlich grober und statt Zinken ist er unten nochmals durch ein Querholz begrenzt (also nix mehr zum Haarekämmen...). In den Zinken befinden sich mittig Löcher, durch die die eine Hälfte der Fäden eingelegt wird. Die andere Hälfte der Fäden kommt in die Schlitze. Hier entsteht beim Weben ein Gefach, durch welches das Webschiffchen geführt wird. Dies ergibt ein Band mit gleichbleibendem Muster. Wunderbar geeignet für Wadenwickel, Borten und so weiter. Nicht schwer zu erlernen für jedermann.
 

Maschenware

Maschenware entsteht als Gestricke oder Gewirke, bei dem die Fäden in maschenförmigen Schleifen (Maschen) verschlungen werden. Das heißt jetzt nicht, dass es sich nur um Wollpullover, Naalbinding, Sprang oder sowas handelt. Ebenso Single-Jersey, Interlock, Plüsch und Ripp sind Maschenware Auch hier handelt es sich um eine Ur-Technik, die in unserer Sprache eng "verstrickt" ist. Man unterscheidet Gestricke (Einfadengewirke) und Kettengewirke. Maschenwaren sind elastischer und meist lockerer als Gewebe und können ihre Form innerhalb eines gewissen Spielraumes ändern. Daher schmiegen sie sich besser an den Körper an und folgen beim Tragen leichter den Körperbewegungen als Gewebtes. Sie sind sowohl in Längs- als auch in Querrichtung elastisch. Maschenwaren knittern weniger als Gewebe, und sie ermöglichen einen guten Luft- und Feuchtigkeitsaustausch. Die dichteren Gewebe schützen allerdings besser vor Wind und sind robuster und formstabiler Gestricke entstehen durch Stricken und Häkeln. Dabei wird jede Maschenreihe aus einem einzigen Faden gebildet. Eine Schlinge greift in die Schlinge der vorangegangenen Reihe, am Ende einer Reihe wird umgekehrt und auf der anderen Seite (links) in die entgegengesetzte Richtung weitergestrickt. Der Faden verläuft in Warenquerrichtung. Dieses Verfahren wird im Handstrick und im Maschinenstrick mit einzeln beweglichen Nadeln angewandt. Dabei unterscheidet man Flachstrick und Rundstrick-Verfahren. Die Wirk-Verfahren arbeiten mit einer Reihen gemeinsam beweglicher Nadeln.
 

SprangSprang

Hildegard Gerhard-Wenzky (Hagen), eine erfahrene Sprangkünstlerin, weist darauf hin, dass Sprang durch textile Funde im koptisch-ägyptischen und skandinavischen Raum vor etwa drei Jahrtausenden bereits bekannt war. In der osteuropäischen Kultur sprangte man noch mindestens bis 1900 Frauenhauben, Bettwäscheeinsätze und Männerschärpen. In diesen Techniken fertigte man auch in Siebenbürgen Hauben, Bänder, Einsätze, Schärpen, Gürtel u.a. an.

 

Erhalten geblieben und bekannt sind bis heute die verschiedenfarbigen, in Sprang geflochtenen Bockelhauben der siebenbürgisch-sächsischen Frau. Einst fertigte sich die Bäuerin die Hauben selber an, dann wurden sie auf Bestellung von Haubenmacherinnen gesprangt. Die Bezeichnung des sogenannten Sprang kommt aus dem Schwedischen und meint das Flechten mehrerer längs gespannter Fäden in einem Rahmen. Das Muster baut sich gegenständig durch das Flechten und Einlegen von Stäben auf und vervollständigt sich in der Mitte. Je nach dem zu erarbeitenden Werkstück werden Länge und Breite des Rahmens und der Arbeit berechnet. Zu der durch vier teilbaren Anzahl der Kettfadenpaare wird die Zahl 2 addiert. Anhand von Zeichnungen und Beschreibungen kann auch heute gesprangt werden. Man kann auch wunderschöne, moderne Kleidungsstücke daraus machen. Zum Beispiel Pullover, Schals und viels mehr.
 

GabelarbeitLucet

ist weniger bekannt.
Bei der Gabelhäkelei handelt es sich um eine Häkeltechnik, bei der eine Gabel und eine Häkelnadel benutzt wird. Früher war es eine hölzerne Gabel, heute meistens eine aus Metall. Man nennt die Arbeit auch Gimpenhäkelei, weil man auf diese Weise ein Band mit fester Mittelrippe und Schlaufen an den Kanten herstellen kann. Die zusammengehäkelten Bänder ergeben Frauenhauben, verschiedene Deckchen, Bänder, Stolen, Pullunder, Taschen, Gürtel, Schals u.a. Gabelarbeit ist leicht erlernbar, die Borten entstehen, indem der Faden um die Gabel gewickelt und die Mitte oder Rippe gehäkelt wird. Die Breite der Borte kann an den metallenen Gabelstäben eingestellt werden. Mit der Häkelnadel verbindet man die Borten zu verschiedenen Handarbeiten. Das Ergebnis sieht wirklich etwas wie gehäkelt oder gar geklöppelt aus.
 

NaalbindingNadelbindung

Es gibt hunderte von Naalbinding-Möglichkeiten. Die einen fangen als Luftmaschen an und gehen dann zu einem Knopflochstick über, die anderen legen kunstvolle Schlaufen, die sie mühevoll umstechen... Eines haben alle gemeinsam: Es ist einfach! Man benötigt nichts anderes als gesponnene Wolle (Dochtwolle oder gezwirnte) und eine große Nadel. Am schönsten aus Horn, Bein oder Holz. Dann kann man schon loslegen.
Nadelbindung (Naalbinding) würde ich mal als Vorläufer des Strickens benennen. Obwohl Stricken ganz anders geht, stellte man mit Naalbinding schon sehr sehr früh die Textilien damit her, die später mit der Stricktechnik hergestellt wurden. Den ersten Strickfund bei uns gab es im 13. Jahrhundert - Ein paar Fingerhandschuhe - ein Kaisergeschenk aus dem Orient (nicht zu verwechseln mit den Handschuhen aus Muschelseide). Die Orientalen kannten Stricken wohl schon früher, doch die Technik verbreitet sich nicht bis zu uns. Bei uns ist Stricken ca. seit dem 14. Jhd. verbreitet. Naalbinding gab es schon vor unserer Zeitrechnung.
 

Fingerloop - Flechten

Es gibt ganz viele verschiedene Flechttechniken, so auch den sogenannten Fingerloop. Hier werden 5 oder mehr Fäden miteinander verflochten. Dies gibt wunderbare Schnürsenkel, Bruchenbänder, Nestelbänder und ähnliches. Außer den Fäden und seinen Fingern benötigt man kein zusätzliches Hilfsmittel.

Es gibt noch mehr, wie zum Beispiel Ply-split, Knoting, Lucet und bestimmt einiges, das ich noch nicht kenne.